Mit ihren hochpolitischen und wütenden Texten haben Honningbarna aus Norwegen die Herzen der Menschen im Sturm erobert: ihr Debutalbum ‘La Alarmane Gå’ steht auf Rang 9 der skandinavischen Jahrescharts 2011, ihr Bandname Honningbarna, zu deutsch Honigkinder, bildet einen interessanten Kontrast zu ihrer lautstarken Punk-Musik, sie haben eine große, meist junge Fangemeinde und stehen vor einer vielversprechenden Zukunft.
Honningbarna: das sind fünf Jungs, allesamt nicht älter als zwanzig Jahre, Kindheitsfreunde und Gleichgesinnte mit einer Bühnenpräsenz, die einem den Atem raubt. Wenn der zierliche Sänger der Band, Edvard Valberg, mit seinem Cello loslegt, traut man seinen Augen nicht, so energiegeladen und enthusiastisch kommt er daher.
Ihre politischen Aussagen, durch ihre unverwechselbare Musik zum Ausdruck gebracht, sind Denkanstöße, sollen wachrütteln in einer Welt der Unbeständigkeit und (politischen) Ungerechtigkeit. Mit ihrem Lied „‘Fri Palestina’ (“Free Palestine”) “ haben Honningbarna bereits für einen Skandal gesorgt, der zur Folge hat, dass sie es bei offiziellen Auftritten nicht mehr präsentieren dürfen. Wie sehr sie sich um die Meinung anderer scheren, beweist unter anderem ihr Konzert im Berliner White Trash, wo sie es trotz Verbot zum Besten gegeben haben. In jedem Menschen steckt ein Rebell, der seine Stimme erheben kann, jeder für sich oder alle für jeden.
Der universelle Aspekt verdeutlicht sich auch in der Wahl der Sprache: Honningbarna singen und protestieren ausschließlich auf norwegisch, aus einem einfachen Grund: Sprache dient hier als Kommunikationsmittel, die Individualität der verschiedenen Sprachen spielt weniger eine Rolle, eher der allumfassende Charakter als Medium. Jeder Staat, jedes Dorf, jeder Mensch ist durch Sprache in der Lage, sich zu artikulieren und damit andere zu erreichen, auch über die Landesgrenzen hinaus.
Wie unbeständig und ungerecht diese Welt sein kann, zeigt sich tragischerweise durch den Unfalltod des Drummers Anders Eikås, der Sonntag Nacht bei einem Autounfall ums Leben kam. In dieser Endgültigkeit passende Worte zu finden, wäre zum Scheitern verurteilt, in Erinnerungen zu schwelgen jedoch ist eine Möglichkeit, einem viel zu früh aus dem Leben gerissenen Menschen ein Denkmal zu setzen.
Meine Erinnerung an Anders hat in Anbetracht der traurigen Umstände einen bittersüßen Nachgeschmack: wir sprachen über die bevorstehende Zeit in Bezug auf ein bekanntes Zitat von J.P. Sartre: „Die Jugend hat Sehnsucht nach der Zukunft.“
Seine Antwort damals war, leise und schüchtern, es wäre wichtig, die Erfahrungen der Vergangenheit im Jetzt zu nutzen und die Zukunft nicht aus den Augen zu lassen: „Ich habe letztes Wochenende das erste Mal an einer Zigarette gezogen und werde es in Zukunft sein lassen.“
Die Zukunft Honningbarna’s ist ungewiss, primär geht es nun darum, den Verlust eines solch jungen Talents und Freundes zu betrauern und zu bewältigen: Anders Eikås wird vielen fehlen, über alle Grenzen hinaus.











